Donnerstag, 18. Dezember 2008

Fiesta – die Überlebensstrategie eines Austauschstudenten, 18.12.08

Bisher ging es mir eigentlich wirklich immer gut hier und jetzt, in der Zeit, in der man es gewohnt ist bei seinen Liebsten zu sein, in der man die Nähe seiner Freunde und Bekannten sucht und in der ich auch noch Geburtstag habe, fällt mir erst auf wie einsam, alleine und verlassen ich hier eigentlich bin. Bisher war mir das so gut wie überhaupt nicht klar und ich verspürte auch keine Einsamkeit, sondern amüsierte mich wirklich gut. Aber nur aus einem Grund: Weil ich versucht habe das Beste aus der aktuellen Situation zu machen – was mir bisher sehr gut gelungen ist. Dies erklärt auch das exzessive Feiern, eine Party nach der Anderen, immer mit Leuten unterwegs – einfach um nicht an schmerzenden Gedanken an die Heimat zu Grunde zu gehen, in wenigen Worten ausgedrückt beschreibt dies „DIE Überlebensstrategie eines Austauschstudenten“. Nur jetzt sind die meisten meiner guten Freunde, die ich hier gefunden hab, und auch alle anderen Erasmus Studenten bereits nach Hause gefahren bzw. werden in den nächsten Tagen fahren um dort mit ihren Familien Weihnachten zu verbringen und lassen Granada, die einstmals belebte und pulsierende Studentenhochburg, als ausgestorbenen Stadt zurück.

Schwelgend in diesen unangenehmen Gedanken war der heutige Tag bis zum Abend eher weniger berauschend. Ich brachte irgendwie die zwei Vorlesungen rum, die ich heute zu absolvieren hatte, und startete ab 17:00 Uhr in die Weihnachtsferien, doch nicht einmal diese Tatsache konnte mich richtig aufmuntern. Ich skypte zu Hause dann mit Nadja, welche mich zwar ein wenig aufheitern konnte, aber ebenso mit weniger berauschenden Nachrichten aus der Heimat, welche ich hier nun nicht breittreten möchte, hinunterzog. Auf Nadjas Anraten verfasste ich zumindest ein E-Mail an Fernando, von dem ich ja weiß, dass er sich noch in Granada aufhält um irgendwie sozialen Kontakt zu finden. Wie Rag schon vor langer Zeit festgestellt hatte, habe ich neben dem Ausgehen und Feiern auch noch ein anderes „Ventil“, welches sich Fitnessstudio nennt und welches ich auch heute in Anspruch nahm. Als ich nach dem Trainieren auf mein Handy sah, hatte ich eine neue SMS bekommen ... von Fernando! Mit der mich unglaublich aufmunternden Frage, ob ich heute nicht vorbeikommen wolle um gemeinsam etwas zu trinken. Das Lesen dieser nur wenigen Zeilen ließen neuen Mut und Energie in meinen Körper strömen und so machte ich mich zu Hause schnell daran zu kochen und zu essen um im Anschluss schnellstmöglich zu Fernando aufzubrechen.

Die Tatsache, dass mir Fernando mit angezogener Jacke, als würde er gerade das Haus verlassen, die Tür öffnete, beruhigte mich ein wenig – ich bin also nicht der einzige, der eine unausstehlich kalte Wohnung hat! :-) Bei einer bereits angebrochenen Flasche Jameson, welche mir David heute freundlicherweise vor seiner Abreise vermacht hatte, und ein zwei Bieren genossen wir einen netten Abend, der mir wieder neue Hoffnung gab die kommende Weihnachtszeit doch positiv zu sehen und dadurch überstehen zu können. Morgen werde ich mich dann gleich daran machen allen möglichen Leuten, von denen ich weiß bzw. vermute, dass sie noch in Granada sind, zu schreiben um für Samstag eine Geburtstagsfeier zu veranlassen – Fernando ist bereits mein erster Gast! :o)

Keine Kommentare: